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Die Grüne Energiewende - Ja, es geht!



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Motivation und Zielvorstellung, die für mich als Antiatombeauftragter des Landes Oberösterreich relevant wären.

Ich fühle mich seit 1986 mit der gegenständlichen Thematik verbunden. Damals hatte ich die Möglichkeit, mit meinem Vater und anderen Absolventen der Landwirtschaftssschule Katsdorf im Rahmen einer Exkursion in die Tschechoslowakei zu fahren. Das war exakt zum Zeitpunkt, als die AKW-Havarie in Tschernobyl dazu führte, dass wir in der Schule z.B. nicht Fussball spielen durften und die Mühlviertler Bauern zum Teil ihre Produkte nicht oder nur mit Schwierigkeiten verkaufen konnten. Ein paar Kilometer nördlich der Grenze schien die Welt eine ganz andere zu sein.

Mir blieb jedenfalls seit damals im Gedächtnis, dass es in Fragen der Kernkraft sehr unterschiedliche Zugänge geben kann und dass dabei auch die Frage der Demokratie, freier Medien und der Transparenz allgemein von Bedeutung sind.

Dies führte unter anderem dazu, dass ich von 1991-1999 versuchte, in der Kommunalpolitik "die Welt zu verändern". Dabei lernte ich, dass die Politik in der Praxis doch ein bisschen anders funktioniert, als man sich das oft vorstellt. Und dass es nicht selten auch unerwartete Unterstützung gibt, wenn man bereit ist, unvoreingenommen zu kommunizieren und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Als Prüfungsausschussobmann habe ich so zentral an einem Machtwechselin der Gemeinde Sandl mitwirken können.

Für diese damaligen Erfahrungen bin ich sehr dankbar und ich denke, dass sie mir auch als Antiatombeauftragternützlich wären.

Jedenfalls ergriff ich nach Abschluss meines Studiums an der Linzer Pädak, als ich ohnehin auf meinen Einsatz im österreichischen Schulwesen warten musste, die Gelegenheit beim Schopf und begann 1997 in einer der wichtigsten tschechischen Fremdsprachernschulen in Budweis (www.polyglot.cz ) Deutsch und Englisch zu unterrichten,.... und Tschechisch zu lernen, auch um zu verstehen, wie die Temelin-Problematik vor Ort gesehen wird.

Nach drei Jahren fühlte ich mich in Südböhmen schon fast zuhause. Auch hatte ich das Gefühl, dass ich ganz gut verstanden hatte, wie die tschechische Gesellschaftso "funktioniert", und warum in ihrBürgerwiderstand und andere vergleichbare (postmaterialistische) Phänomene noch mit der Lupe zu suchen waren.

Umso erstaunter und zunehmend schockierter war ich, als die anfänglichvon mir unterstützen Grenzblockaden anlässlich des Hochfahrens des ersten Reaktorblockes in Temelin im Jahre 2000 zu einer von mir als extrem nationalistisch polarisierend empfundenen Eskalation geführt hatten, die es mir mehr und mehr verunmöglichte, mich heimisch zu fühlen, und zwar sowohl in Budweis, als auch in Österreich. Es mag übertrieben klingen, aber ich empfand das eine gewisse Zeit so, dass unsere beiden Länder sich zu so etwas wie zu einem Krieg rüsten würden. Das Unverständnis, das ich dafür in Österreich erntete, hat es mir wie gesagt auch in meiner Heimat schwer gemacht, mich noch heimisch zu fühlen (was mittlwerweile zum Glück wieder anders ist).

Was tun? Als Ausweg fielmir nur etwas ein, was letztlich darin mündete, dass im Rahmen eines grenzüberschreitenden Vereins jene Kräfte koordiniert wurden, die sich aus der "nationalistischen Falle von Medien und Politik" lösen wollten, ohne ihre Ablehnung der Atomtechnik verleugnen zu wollen - siehe http://www.sonneundfreiheit.eu/begannen.html .

Das war mühsam, langwierig, medial nicht sehr attraktiv, aber letztlich aus meiner Sicht bei allen Kompliaktion, die es dabei gab, ein wichtiges und im Prinzip erfolgreiches Bestreben.

Eine Kombination aus Ernüchterung und Zeit- sowie Ressourcenmangelallgemein führten aber dazu, dass der Verein www.sonneundfreiheit.eu sich nach kurzer Zeit, als wir uns offiziell an der Anti-Atom-Arbeit des Landes OÖ beteiligt hatten, daraus wieder zurückzogen, und im kleinen Rahmen selbständig weiter arbeiteten.

Die geknüpften Kontakte und das erworbene Know-how lassen mich mit einem gewissen Stolz erwähnen, dass es zwischen Salzburg und Prag wohl kaum ein vergleichbares Netzwerk gibt, das mit so wenig Aufwand einen so guten Überblick über die jeweils aktuell laufenden gesellschaftlichen Dynamiken dieser Region hat, als im Rahmen eben dieser Kontakte.

Was ich grundsätzlich als Manko der bisherigen offiziellen Anti-Atom-Politik Oberösterreichs und Österreichs empfand (wobei der Gesamtstaat ja immer tunlichst vermied, glaubhaft diesen Anspruch zu stellen), ist die Überbetonung u.a. von Rechtssschritten und das Zulassen einer bilateral geführten "Pseudo-Debatte", die von der realen Welt der Menschen, insbesondere in Tschechien"meilenweit" entfernt ist. Vom Ansatz her könnte das als Arbeiten mit "Druckmitteln" charakterisiert werden, im Gegensatz zur "aktiven Kommunikation", deren Potential meiner Meinung nach noch bei weiterm nicht ausgeschöpft wurde.

Wir haben es mit einer Lobby zu tun, die global aktiv ist und ziemlich viel Geld hat. Nicht nur der tschechische Ableger dieser Lobby tritt als Sponsor aller großen und zum Teil großartigen Kulturveranstaltungen im eigenen Land auf und vermittelt(e) damit indirekt, dass die (österreichischen) "Anti-Atom-Kasperl" irgendwie "ein wenig hinten geblieben sind". Das mag übertrieben klingen, von der Tendenz her stehe ich aber zu dieser Diagnose.

Ein kleiner aber symptomatischer Aspekt, der das für mich bestätigt, sind z.B. die sicher gut gemeinten Anti-Atom-Taferl an den Freistädter Straßen. Sie werden von fast allen Tschechen, die z.B. nach Linz einkaufen oder in die Alpen auf Winterurlaub fahren (das sind viel mehr, als man sich als Durchschnittsösterreicher vorstellt), vor allem sind es Menschen mit Geldund Bildung und insofern DIE Entscheidungstäger in Tschechien, als so etwas wie eine Beleidigung der eigenen Intelligenz empfunden, und zwar auch von vielen, die sich an sich auch als atom-kritisch oder ökologisch sensibilisiert einschätzen würden(von der Tendenz her änhlich wie die fortgesetzten Grenzblockaden, die gerade anfangs von einem absolut schlechten Medienmanagent in Tschechien geprägt waren).

Mein zentralerAnsatz als Antiatombeauftragter des Landes Oberösterreich wäre aufgrund der diesbezüglichen Erfahrungen denn auch, die Kommunikation sowohl innerhalb der AktivistInnenszene als auch mit der Öffentlichkeit, grenzüberschreitend massiv zu intensivieren. Dabei muss insbesondere auch die Kultur, das Bildungswesen und die Außenpolitik eingebunden werden.

Das heißt nicht, dass ich Rechtsschritte und gewisse andere Aspekte der bisherigen Arbeit nicht auch für wichtig würde. Aber Priorität müsste aus meiner Sicht klar der kommunikative Hintergrund sein. Das heißt, ich würde mich aktiv um systematische Kontakte zu all jenen bemühen, die nicht grundsätzlich als Pro-Atom-Lobby zu verstehen sind. Das sind sowohl jene Menschen aus Kultur, Politik und Wirtschaft, denen die positiven Aspekte eines zusammenwachsenden Europas am Herzen liegen, als auch Menschen (vor allem in Tschechien und der Slowakei), die noch immer glauben, dass es ohne AKWs nicht ginge, aber offen sind für Argumente aller Art.

Die Anti-Atom-Szene in Europa und der Welt, die zum Teil großartige Arbeit leisten, istwenig vernetzt und lebt oft von der Tragik aktueller Störfälle. Da würde ich persönliche Kontakte aus insbesondere Frankreich, England, Deutschland, Slowenien, der Slowakei und natürlich Tschechien einbringen und innerhalb Österreichs versuchen, eine wirklich gute Vernetzung zu unterstützen..

Auch deshalb, weil ich es immer als Mangel empfand, dass es zwar systematisch Übersetzungen der tschechischen Medien bzgl. Temelin ins Deutsche gab, aber nicht umgekehrt, was dazu führte, dass sich die tschechischen NGOs nur beschränkt im internationalen und österreichischen Umfeld orientierten, hab ich begonnen, Übersetzungen aus dem Englischen und Französischen anzufertigen und an die Gabi Pohlová (www.oizp.cz ) weiterzuleiten, die das einerseits in ihren täglichen Newsletter in Deutsch einfließen lässt und andererseits daraus nun einmal pro Woche auch etwas Ähnliches in Tschechisch (Zielgruppe tschechische und slowakische Öffentlichkeit) erstellt.

Gern kann ich Sie in einem persönlichen Gespräch noch mit weiteren Details meiner Sicht der Dinge vertraut machen. In Beilage auch noch ein von mir übersetztes Theaterstück eines amerikanischen Autors über die Hintergründe, wie die Firma Westinghouse zu ihren Aufträgen in Temelin kam (würde ich versuchen, in Zusammenarbeit mit Theatern in Österreich und Tschechien zu nutzen) und das Nachwort meiner Buchübersetzung "Die Menschen von Temelin", mit der ich versucht habe, ein bisschen etwas von der Lebensrealität der Menschen rund um Temelin für die deutschsprachigen AktivistInnen zugänglich zu machen (http://buch.archinform.net/isbn/3-902427-44-2.htm).

Zusammengefasst würde ich in der Funktion des Anti-Atom-Beauftragten, die ich grundsätzlich als etwas wirklich Unikates ansehe, als Fortsetzung desssen betrachten, was ich in unszähligen Stunden meiner Freizeit in den letzten Jahren ohnehin tat, allerdings auf professionellerem Niveauund mit weniger Selbstausbeutung. Ich würde mich dabei wie auch bisher mehr als Moderator einer komplexen Kommunikation vor internationalem Hintergrund sehen, denn als medialer Selbstdarsteller, obwohl natürlich auch das dazugehört(siehe aktuell z.B.: http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/abendschau/stimmung-temelin-temelin-winkler-ID130044517232.xml ).

Meine Stärken im Nutzen von Synergien und dem Zusammenführen von konstruktiven Ansätzen (bisher vor allem im Bereich Südböhmen, Mühlviertel, Waldviertel) sind angesichts der Breite der Aufgabe natürlich nicht genügend, um alle relevanten Aspekte gut abdecken zu können. Ich würde daher verusuchen, die konstruktiven Kräfte innerhalb und außerhalb der Anti-Atombewegungeffizient einzubinden und dabei gern und intensiv vor allem mit Dipl. Ing. Dalibor Strásky zusammenarbeiten, der auf seine Weise jene Bereiche ausgezeichnet abdeckt, die nicht zu meinen Stärken zählen.

Ich bin überzeugt davon, dass der Weg der Gewinnung einertschechischen Mehrheit für den Ausstieg aus der Atomtechnologie darin liegt, den Anti-Atom-Kräften in Tschechien die Situation nicht zu erschweren, indem wir sie durch ungeschicktes Verhalten in Österreich in der tschechischen Öffentlichkeit zusätzlich isolieren, sondern dass wir gemeinsam mit ihnen in beiden Ländern zeigenkönnen, dass wir als Motoren einer konstruktiven grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit großem kulturellen Know-how geradezu unverzichtbar sind.

International könnte das für Oberösterreich bedeuten, dass wir uns, z.B. dadurch, dass wir Drehscheibe eines Informationsnetzwerks für Übersetzungen von Büchern oder Artikeln aus dem "Nuclear Monitor"http://www.nirs.org/mononline/mononl.htm und dem Magazin von Sortir du nucleaire (http://www.sortirdunucleaire.org/index.php?menu=english&page=index ) oder http://www.bellona.org/ usw. werden, den Ruf eines Pioniers in der Szene erwerben, in Folge für die Energiewende insgesamt und hin zu einer menschenfreundlicheren Wirtschaft und Technik.

Ich würde meine Aufgabe auch ein bisschen vergleichen mit der eines Firmenchefs, dessen Firmains Ausland expandiert und dort damit konfrontiert ist, dass viele Dinge insbesondere im Bereich der Kommunikation anders funktionieren, als das erwartet wurde. Derartige Komplikationen gibt es in vielen international tätigen Organisationengar nicht so selten, was ich als Fremdsprachenlektor, der seit Jahren auch mit sochen Firmen zu tun hat und in Südböhmen bisher gut und gernschon um die 1000meist berufstätige "StundenInnen" unterrichtete,jedenfalls bestätigen kann. Oft reichen ein paar gute "ModeratorInnen", um Missverständnisse usw. zu reduzieren und die Effizienz drastisch zu erhöhen. Als so einen Moderatoren würde ich mich auch sehen. Den Fokus Österreich und Tschechien würde ich dabei nicht aus den Augen verlieren.

Allerdings scheint mir auch das Beispiel des Robert Schuman (http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Schuman ), der als einer der Gründerväter der Europäischen Union in die Geschichtsbücher einging, wichtig zu sein. Sein ursprüngliches Ziel war es u.a., zwischen Deutschland und Frankreich, Rivalen seit Jahrhunderten, einen Ausgleich zu schaffen. Er war nach dem ersten Weltkrieg erstaunlich erfolgreich damit, ist angesichts der außenpolitischen Umstände aber dennnoch gescheitert. Unmittelbar nach dem zweitern Weltkrieg hätte er, wenn er sich auf die Frage Frankreich-Deutschland beschränkt hätte, unzweifelhaft in seinem Leben noch nicht viele Früchte seiner Arbeit ernten können. Mit dem Konzept eines übergeordneten Ziels aber, nämlich einem funktionierenden Europa, war das Ergebnis bei aller Kritik am heutigen Europa aber eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, weil beide Seiten Interesse am Gelingen des übergeordneten Ziels hatten. Paralleln im Fall Temelín sind für mich unverkennbar.

Als anderes Beispiel könnte man noch die Entspannung zwischen Österreich und Ungarn nach 1848 ansehen, die insbesondere durch die Person der Kaiserin Elisabeth zu einer erstaunlich raschen Koexistenz und Kooperation führte. Ohne mich jetzt mit diesen Personen vergleichen zu wollen, halte ich sie doch für inspirierend. Ebenso wie den ersten tschechoslowakischen Präsidenten T.G.Masaryk, der in seiner Zeit als Abgeordneter zum Österreichischen Reichstag unzählige Male versuchte, das Land zu reformieren und dabei, wäre es nicht zum ersten Weltkrieg gekommen, wohl auch erfolgreich gewesen wäre.

Wenn für Sie die oben skizzierten Grundsätze mit der Funktion des/r Anitatombeauftragten des Landes Oberösterreich in Einklang zu bringen sind, würde ich mich jedenfalls über eine guteZusammearbeit freuen. Ich bin überzeugt, dass bei allen zu erwartenden Komplikationen am Ende der beiden Jahre eine spürbare Konsolidierung in der Szene zu verzeichnen sein müsste. Das Land Oberösterreich müsste dabei zwar z.B. in Wien, Prag, Brüssel oder auch im Rahmen der UNO nicht sonderlich populär sein,bräuchte sich vor der demokratischen Öffentlichkeit aber nicht zu schämen (die Problematik der Verknüpfung von WHO und IAEO ist für mich längerfristig ebenso ein zentraler Punkt wie die EURATOM-Thematik, wo ich die Arbeit von Roland Egger und Gabi Schweiger hervorheben möchte, siehe auch http://www.sonneundfreiheit.eu/aussendungen.html bzw. http://www.sonneundfreiheit.eu/ubernom.html. Ähnlich wie sie würde ich bei der Kommunikation ein großes Augenmerk auf die Ebene der Kommunen legen (Endlagergemeinden). Außerdem würde ich mich um einen Ton bemühen, der auch bei der "schweigenden Mehrheit" ankommt).



In diesem Sinn freue ich mich auf Ihre Rückmeldung und verbleibe mit freundlichen Grüßen,
Bernhard Riepl
März 2011





20 Jahre nach Tschernobyl


www.bmu.de - Der Welt-Statusreport Atomindustrie 2009


Liste von Unfällen in kerntechnischen Anlagen





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